Beeep Beeep Beeep Beeep – mit diesem furchtbaren Geräusch wurde ich am Samstagmorgen um 5 Uhr geweckt. Schrecklich oder? Und wofür das alles? Richtig … für das wichtigste Spiel der Saison. Mission Kogge versenken Runde 1. Schlaftrunken Torkel ich durch die Wohnung, zwar nüchtern, aber trotzdem benebelt. 5 Uhr war sogar für die Katze noch zu früh. Ich glaub ich hab Sie geweckt … egal, versucht Sie ja auch immer. Um 5:45 Uhr ging es dann los zum Bus, inzwischen munter. Die Vorfreude ist unfassbar, Derbysieg? Scheiß drauf … Kogge versenken … alles andere zählt nicht!
Ich bin massiv angespannt. Freude und Sorge wie der Tag verlaufen würde, war in meinem Kopf präsent. Auf die Minute pünktlich kam ich am Bahnhof Altona an, ein ungewöhnliches Gefühl. Wann fährt der HVV schon mal pünktlich? Naja, ist jetzt ja auch egal.
Erst mal die Lage peilen und dann mit den Fanclubmitgliedern treffen. Wir waren 5 + diverse Anhängsel … kann man das so sagen? Ich denke schon. Zackig haben wir uns in die Schlage für den Entlastungszug eingereiht. Jetzt schon mal angepisst davon, wie ein Schwerverbrecher behandelt zu werden, stand ich in der Schlage, die wirklich nur sehr sehr langsam voranging. Ich denke 20 Minuten hat es gedauert, die Zeit wurde genutzt, um uns für das Spiel einzusingen.
Nun wurde ich von einem Polizisten durchsucht, der hat stellen abgetastet, von denen wusste ich nicht mal, dass es sie gibt, aber naja, überraschenderweise (also für ihn, nicht für mich) hat er nichts gefunden. Aber da war ja noch meine Tüte. 3 PET Flaschen, eine Fahne ohne Stange, 8 Plastikbecher, Milchschnitte und diversen Kleinkram.
Die Kontrolle der Tüte lief in etwa so ab:
Schritt 1: Tüte in die Hand nehmen
Schritt 2: In die Tüte reingucken
Schritt 3: Fragen ob ich zu Hause Alkohol vorgemischt habe
Schritt 4: Auf meine bejahende Antwort wissend nickend
Schritt 5: Tüte zurückgeben
Schritt 6: Viel Spaß wünschen.
Man konnte von außen nicht in die Tüte reingucken, und auch was unter der ersten Flasche war, konnte er nicht sehen, wären dort diverse Pyros drin gewesen, er hätte diese nicht entdeckt. Nun war ich also drin, in der Hochsicherheitszone … sämtliche MFCler sind auch problemlos durchgekommen, auch wenn Sonderwünsche wie Ölmassage scheinbar unerfüllt blieben. Ich glaube das ist aber auch das Einzige, was man der Polizei vorwerfen kann … schlampige Kontrollen und das Fehlen von Ölmassagen.
Der Zug fuhr ein und wir stiegen ein. War warm und die Fenster gingen nicht auf. Heizung ausschalten hat aber langfristig Linderung gebracht. Total fröhlich ging die Reise los, alle waren gut gelaunt. Der Schaffner ging durch die erste Klasse und machte dort alle Fenster auf, dann kam er zu uns. Wir haben ihn gebeten hier doch auch mal die Fenster zu öffnen, er lehnte ab.
Grund: Eigentlich darf er in diesem Zug keine Fenster öffnen. Einfach Weltklasse der Mann, sehr feiner Sinn für Humor! Also mussten wir das Zepter selber in die Hand nehmen. Nichts was 2 flache Schlüssel nicht auch hinbekommen, man lernt ja nie aus … danke für den Tipp.
Erwähnte ich eigentlich schon „Who the fuck is Hansa Rostock?“. Nein? Später dazu mehr.
Irgendwann waren wir bei Schwerin, der See ist echt nett anzuschauen, aber trotzdem scheinen uns die Schweriner irgendwie Kacke zu finden. Anders kann ich mir nicht erklären, warum man die Glasscheiben des Zuges mit Steinen bewirft. Wenigstens ist bis auf dem Waggon niemanden was passiert. Die Fahrt ging also weiter.
Kurz vor Rostock lass ich dann bei Twitter die Meldung, dass der Sonderzug nicht in den Bahnhof einfahren kann, da die Gleise durch unsere Hansa-Ultra-Freunde blockiert waren. Sagt man so etwa Hallo in Rostock? Scheinbar schon. Unser Zug konnte aber problemlos in den Bahnhof einfahren, vielleicht hatten unsere Hansa-Ultra-Freunde gerade Mittagspause, oder waren kurz Bananen kaufen, genau kann ich das leider nicht sagen.
Wir stiegen nun alle aus unseren Sonder- ... ähm ... Entlastungszug und sangen ein fröhliches Lied, indem wir Meister werden usw., ihr wisst ja, was ich meine.
Im Bahnhofsgebäude wimmelte es dann nur so von Schutzmännern mit Hunden. Warum ausgerechnet der Blondie unter den Hunden völlig agro war, erschließt sich mir nicht, wobei, wenn ich darüber nachdenke ... Blondie... Da war doch mal was ... Egal, unwichtig für diesen Bericht.
Auf dem Bahnhofsvorplatz wurden wir gesammelt. Wir wurden von unseren eigenen Sicherheitsleuten begrüßt und in die Busse dirigiert. Polizei war zwar anwesend, aber hatte sich, wie versprochen, im Hintergrund gehalten.
Wir stiegen in den Bus, Türe zu und los ging die Fahrt. Nach etwa 10 Metern gab es den ersten Stopp. Uns war langweilig, also beschlossen wir ein wenig zu singen. War lustig ... Ging trotzdem nicht weiter. Also beschlossen wir uns davon nicht beirren zu lassen und testeten mal die Haltbarkeit der Achsen. Einmal schnell "Wir sind Zecken" angestimmt und alle Shuttlebuspassagiere hüpften, was die Achsen hielten. Im Bus vor uns sahen wir ein ähnliches Szenario. War lustig den Bus hüpfen zu sehen.
Zwischendurch blieb noch Zeit dem ZDF und Co. deutlich zu zeigen, dass wir es scheiße finden, gefilmt zu werden. Und dann ging die frohe Fahrt mit dem Bus weiter ... bzw. endlich los.
Der Fahrer hat das Gaspedal richtig durchgedrückt, und da waren die ersten Rostocker zu sehen, wie sie da vereinzelt rumstanden und uns entweder mit Hitlergruß oder Mittelfinger begrüßten ... Man konnte ahnen, von wo der Wind wehen würde. Zwischendurch wurden wir einmal von der Polizei angehalten, die stellten sich vor den Bus, kurz darauf ging die Fahrt weiter. Was war, kann ich nicht genau sagen, aber wir sind sicher an Hansa Rostocks Werbeträger angekommen.
Raus aus dem Bus, rein in die Einlasskontrolle. Ich kam zum Ordner, ich musste meine Taschen leer machen und dann entdeckte er meine St. Pauli gegen Rechts Fahne, die ich als Banner mitgenommen habe, ohne Stock. Scheinbar mochte er die Fahne nicht, wir führten in inhaltlich folgenden Dialog:
Er: Fahnen sind hier heute nicht erlaubt
Ich: Aha
Er schnappt sich die Fahne und überprüft, was draufsteht. Dann wollte er sie wegpacken.
Ich: Wollen Sie mir also hiermit sagen das in Ihrem Stadion ein Statement gegen Rassismus verboten ist und SIE somit die Nazis unterstützen?
Er gibt mir kommentarlos die Fahne wieder. Warum nicht gleich so? Nach der obligatorischen und eher halbherzigen Körperkontrolle ging ich nun in den Werbeträger von Hansa Rostock rein. Zuerst haben wir uns einen Platz recht weit oben gesucht, entschieden uns dann aber doch für weiter unten. Im Nachhinein nicht die schlechteste Entscheidung.
Im Nachbarblock standen dann unsere Hansa-Ultra-Freunde … aha … darum war nichts los, die hatten wirklich einen Termin. St. Pauli Klamotten und Fahnen und Banner usw. verbrennen. Wir kommentierten das nur mit einem „Und ihr wisst wo der Fanshop ist“.
Und ganz ganz ganz leise ertönten ab und an „Scheiß St. Pauli“ rufe. Tja, konnte unser Block aber besser. Also wurde kurz das ganze Stadion aufgefordert und wir sangen gemeinsam mit unseren Freunden aus Rostock „Scheiß St. Pauli“. Warum auch nicht, wir hatten ja Zeit.
Aber Moment … deren Fanblock stand genau neben unserem, zwar mit Pufferzone, aber dennoch direkt neben uns. Wer hat das denn bitte so geplant? Kann ja nur ein Vollidiot gewesen sein? Dass dieses auch wirklich keine gute Idee war, zeigte sich später.
Nun kam Tschauner zum Aufwärmen auf dem Platz. Die Rostocker kommentierten das mit einem Bananenregen. Das müssen Hunderte, wenn nicht sogar mehr Bananen gewesen sein. Tschauner schien das kalt zu lassen. Nun ging das große Bananensammeln los. Säckeweise haben Sie die leckere Frucht von dem Spielfeld gesammelt. Wahrscheinlich gibt es diese Bananen seit Montag wieder bei Edeka und Co. zu kaufen.
Schön fand ich auch, als der Hansa Block mal spontan ACAB anstimmte, weil die FEUERWEHR das Feuer gelöscht hat. Idioten. Unser Block hat sich zum Glück nicht beteiligt.
Joa, irgendwann gab es dann die Mannschaftsaufstellung. Bei unserer gab es keine wirklichen Überraschungen, aber das Rostock 11 Spieler namens Naki ausgestellt hat, verwunderte selbst die Fußballfachleute in unseren Reihen.
So, nun ging es also los. Das Spiel war sehr zäh, die Highlights waren natürlich die Rote Karte für Rostock sowie das Tor von Max Kruse.
Direkt nach dem Tor von Max Kruse gab es ein Bengalo bei uns im Block. Ich persönlich finde Bengalos sehr geil. Der Knall rechts von mir war hingegen nicht so lustig, wo er ausgelöst wurde, weiß ich nicht, aber plötzlich schossen die Rostocker mit Leuchtraketen in unseren Block. Ja sag mal, geht’s noch?
Die Spieler gingen vom Platz, der Schiri war kurz davor, das Spiel abzubrechen. Zum Glück wurde aber nur eine 10-minütige Pause eingelegt, ich glaube sonst hätte es eine Straßenschlacht gegeben. Aber so beruhigten sich alle wieder, und ich war erstaunt, wie ruhig unser Block trotz des Beschusses von 2 Seiten geblieben ist.
Der Rostocker Block wurde während der Unterbrechung Mucks Mäuschen still. Unser Block hingegen sang, was die Stimmen hergaben. Einen Audiomitschnitt dazu findet ihr hier:
http://soundcloud.com/maijohng/rostock-spielunterbrechung
Ich bekomme noch heute eine Gänsehaut, wenn ich daran zurückdenke. Ganz großes Kino, wie unsere Fans auf die Situation reagiert haben.
Nach wenigen Minuten kamen dann die Mannschaften wieder auf das Feld zurück, nur um kurz darauf zur Halbzeit in die Kabinen zu gehen. Halbzeitführung für unseren FC St. Pauli, alles planmäßig bisher.
In der zweiten Halbzeit gab es dann erst einmal einen Dämpfer. Mintal schoss das nicht ganz unverdiente 1:1, aber in der 80. und 91. Minute egalisierte Mahir Saglik dieses Gegentor durch einen Doppelpack. Kogge versenkt, alle froh!
Der Block ging in einer Rauchwolke unter. Von links und rechts kamen wieder ein paar Leuchtraketen geflogen. Viele verließen kurzfristig den Block. War einfach zu viel Rauch. Ich glaub meine Jacke riecht sogar heute noch leicht nach dem Rauch.
Überglücklich gingen wir zu den Bussen und fuhren zum Hauptbahnhof zurück. Für uns lief die Rückfahrt zum Bahnhof problemlos. Kaum sind wir da angekommen, haben wir ein paar Rostocker verspeist. Lecker, und für 3,70 Euro mit Pommes kann man nicht meckern.
Nun ging es zu unserem Entlastungszug alias Sonderzug 2. Unten im Bahnhof waren diverse Rostock Fans, die uns bepöbelten. Die Polizei hatte alles im Griff. Ach wie gut das getan hat diese verzweifelten Stimmen zu hören und zu wissen … Kogge versenkt - Rostock ist Braun-Weiß!
Der erste Sonderzug fuhr los, und auf einem Nachbarbahnsteig bekamen wir ein paar viele Rostocker zu Gesicht. Aber auch hier hatte die Polizei alles im Griff. Die fackelten sich selber ab, und wir grinsten uns einen. Aber scheinbar wurde der Polizei die Situation jetzt langsam zu gefährlich, war inzwischen auch schon dunkel, und so wurde unserer Abfahrt eine knappe Viertelstunde vorverlegt.
In unserem Waggon war übrigens eine einzelne Banane, ansonsten war aber nichts los im Waggon. So beschloss ich mit einem MFCler durch den Zug zu wandern. Hatte ein wenig was von Super Mario. Überall Hindernisse in Form von schlafenden Menschen auf den Fußböden. Aber wir haben es bis zum Anfang des Zuges ohne Verletzte geschafft. Dort war die Stimmung nicht ganz so müde. Und wir haben ein wenig Volleyball gespielt … mit aufgeblasenen Lümmeltüten.
Kurz darauf sind wir auch bereits in Hamburg angekommen, dort noch einmal im Kollektiv den Hauptbahnhof beschallt und dann ab nach Hause.
Was bisher fehlte? Genau, die negativen Erfahrungen mit der Polizei auf dieser Auswärtsfahrt. Die gab es nämlich nicht. Ich möchte hiermit der Polizei ein großes Lob aussprechen. Auch wenn die Kontrollen in Altona mir tierisch auf den Sack gingen und ich mich zwischenzeitlich, wie ein Schwerverbrecher fühlte, lief alles friedlich in einer lockeren Atmosphäre ab. In Hamburg, in Rostock, im Stadion usw. Alles total entspannt. Geht doch, warum nicht immer so. Wenn ich mich da an Wolfsburg oder den Schweinske Cup vor 2 Jahren zurückerinnere, da lief das leider ganz anders. Danke, dass ihr dafür gesorgt habt, dass fast alle wieder heil zuhause angekommen sind. In Zukunft bitte immer so!
Aber ein paar kritische Töne muss ich dann leider doch noch loswerden.
Was ich allerdings nicht nachvollziehen kann, ist das Rumgeheul des Vereins Hansa Rostock. Hätten die ihre eigenen Fans vernünftig kontrolliert, hätte ich nicht mindestens 8-mal durch die Stadionlautsprecher hören müssen: „Bitte unterlasst das Werfen von Gegenständen auf die Spieler“. Es wären nicht diverse Brandherde in dem Hansa Fanblock entstanden, und es wären nicht diverse Sankt Pauli Fans durch Leuchtraketen in Gefahr gebracht worden.
Mal ganz ehrlich, wie kann man säckeweise Bananen ins Stadion bringen? Wie kann es sein, das Glasfalschen nach unseren Spielern geworfen wurden? Warum waren dort unfassbare Mengen an St. Pauli Fanutensilien im Block? Warum war deren Fanblock überhaupt direkt neben unserem? Warum gab es hinterm Tor kein Netz für den Heimbereich?
Das alles hätte der Verein bzw. hätten die Ordner im Vorhinein merken können bzw. müssen. Ganz schwache Leistung vom FC Hansa Rostock. Absolut nicht Zweitligatauglich!
Alles außer einer Platzsperre für Hansa Rostock könnte ich nicht nachvollziehen, auch wenn Kollektivstrafen leider auch viele vernünftige Fans treffen. Aber man sieht ja Woche für Woche wieder, der Verein und die eigene Fanszene bekommt das Problem mit den Idioten nicht in den Griff.
So, genug gemeckert. Wer Rechtschreib- und Grammatikfehler findet, darf diese gerne behalten, ich brauche Sie nicht mehr.
Wer mehr zu dem Thema lesen möchte, sollte mal den Blogeintrag zum Spiel von Nord Support lesen. Sehr empfehlenswert.
Auch wirklich empfehlenswert ist der Gegengraden-Gerd
Kommentare
loveheartcore (Gast)
Di, 22/11/2011 - 11:55
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schöner beitrag
Hey. Super Beitrag und die Videos sind auch genial. Soweit ich weiß wurde ein Fan durch Steinwürfe leicht verletzt hoffe es geht ihm besser. Ansonsten wirklich super gemacht, lautstark die Rostocker in Grund und Boden gesungen.
Ihr schießt Raketen, wir schießen Tore.
Forza
waschi
Di, 22/11/2011 - 17:36
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das war ja das geilste
das war ja das geilste auswärtsspiel was ich je mitgemacht habe....hat echt viel spass gemacht...vor allem auch auch das volleyball-spielen auf dem rückweg:-)...immer wieder....forza...wir schießen rostock ab, wir schießen rostock ab, wir schießen rostock ab...forza
Forza.... (Gast)
Di, 22/11/2011 - 20:13
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yo schöner Bericht;)
Schöner und langer BEricht konrad!!
Hab noch gelesen, dass einer der Shuttlebusse einen Achsbruch erlitten hat
und dass die Rostocker entlang der Shuttlebuslinie diverse Steindepots bereitsgestellt hatten, um die Busse angreifen zu können
...wurden aber wohl alle zuvor von der Polizei aufgespührt und sichergestellt...
...und schiessen Rostock ab...!!
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